Inschi Sprààch - Unser Dialekt
Es ist heute noch gut möglich, Walserdeutsch von anderen deutschen Dialekten zu unterscheiden. Die Walser haben ein urtümliches, einmaliges, aus dem Althochdeutschen entwickeltes, sogenanntes Bergschweizerdeutsch an ihre Aussenorte mitgenommen. In ihrer Abgeschiedenheit, und vielfach als Nachbarn der Romanen, haben sie es jahrhundertlang fast unverfälscht bewahrt. In Obersaxen blieben viele Orts- und Flurnamen romanisch, und der romanische Einfluss war von Anfang an gegeben. Scheinbar waren die eingewanderten Walser bald in der Überzahl, und das Romanische wurde zurückgedrängt.
Grundsätzlich finden wir in Obersaxen die gleichen Grundzüge wie bei den andern Walsern, doch heben sich unsere Lautmerkmale von den übrigen ab. Hier wird ein ü zu i, ein ö zu e. Wir sagen: fiif, filla, Mili; leescha, Feena, Eel. Anderswo heisst es: füüf, fülla, Müli; lööscha, Fööna, Ööl. Die A-Laute werden auch anders gesprochen, und deswegen drängt sich für uns eine andere Schreibweise auf. Das geschriebene Ä, ä sprechen wir zu hell aus, darum brauchen wir das A, a. und es tönt wie "sagen, "wagen" im Schriftdeutschen. Der zweite A-Laut tönt dunkel, etwa zwischen offenem A und O, und wir schreiben ihn als À, à. Beispiel: Ààra (Arm), wààra (warm); wird gesprochen wie im Englischen warm, arm. An wààrma Tee waarmat (ein warmer Tee wärmt). Achtung! Haarz (Herz), Hààrz (Harz); faara (letztes Jahr); fààra (fahren).
Wie steht es heute?
Erst die bessere Erschliessung, der Tourismus, die Ansiedlung von andern Schweizerdialekten und der Einfluss der Schriftsprache über die Medien leisten der Verflachung und dem Abgang unseres Dialektes Vorschub (Anpassung, Weglassung von Spezialausdrücken). So hört man zum Beispiel Bluama statt Maija, Butter statt Britschi, Mond statt Mààna, Schinka statt Tschungga, Frosch statt Hoschpal, Kurva statt Ràngg, woona statt hüsa, immar statt àlbig oder alliwiil, drackig statt bschissa, grààd statt kredig. Der Fortschritt, die Modernisierung der Landwirtschaft, des Handwerks, des Verkehrs und des Haushalts sowie die veränderte Lebensweise, haben sehr viele Gegenstände, Geräte, Bauten, Arbeiten usw. in Vergessenheit geraten lassen.
In den letzten Jahrzehnten wurden sich aber die jungen Obersaxer ihrer Sprachkultur besser bewusst. Sie passen sich dem Lebenspartner von auswärts seltener an, dem Feriengast schon eher, da sie glauben, nicht verstanden zu werden. Die ältere Generation passt sich fast ausnahmslos an.
Seit vielen Jahren unterrichtet höchstens noch eine in Obersaxen aufgewachsene Lehrperson an den Schulen in Obersaxen, was in der Primarschule Auswirkungen hat. Im Zusammenhang mit der Einführung des Romanischen als Begegnungssprache wurden in der Gemeinde Stimmen laut, die forderten, unseren eigenen Walserdialekt durch gezielte Massnahmen zu fördern. In der Folge hat sich der Gemeindevorstand von Obersaxen in den letzten Jahren verschiedentlich mit diesem Problem befasst. Das Projekt „Förderung des Obersàxer-Titsch“ wurde so ins Leben gerufen. Durch die Verpflichtung von zwei Linguistik-Studenten, Herr Alex Marty aus Obersaxen als Projektleiter und Frau Anne von Gunten aus Bern als Mitarbeiterin, konnte vor 2 Jahren mit der Konkretisierung und Umsetzung dieses Projektes begonnen werden.


